De sun is ma zhaas

Ernst Kein / Friedrich Cerha

La interpretació dels cinc músics és rotunda (sonograma.org)

Josep Bosch

Closeness & distance: Friedrich Cerha's evocation of Viennese traditional music in a new version for Viennese Schrammel quartet

Robert Hugill

SWR2 Treffpunkt Klassik

Eleonore Büning

...haben das gemacht, was ich immer schon wollte

Roland Neuwirth

...dem Idiom des Wienerliedes nicht so nachzugeben, daß man sich auflöst in Wein und Lulu

Christoph Cech

...Wienerlieddeutungen, in denen vordergründiges Herzschmerzsentiment durch kammermusikalische Raffinesse hintertrieben wird

Andreas Felber

Projekte

attensam quartett

attensam quartett (© Viktor Brazdil)

attensam – ein sauberer dreck  

tänze, zu denen man nicht tanzen kann. märsche, zu denen nur ein besoffener marschieren könnte. aber lieder, die man singen kann. wenn es denn unbedingt sein muß. eine ordentliche schlamperei – das ist es, was der wiener und seine musik wollen. ordentlich, nicht im sinne von groß, sondern ordentlich im sinne von: in gewissenhafter weise hergestellt. ein wienerisches rubato entsteht eben nicht durch die simple mißachtung der notenwerte. just konträr. die ungenauigkeit muß mit der äußersten präzision des herzschlags gewissermaßen handgefertigt sein. bestimmt, die geigen müssen heftig brateln. dafür brauchts aber den detailverliebten virtuosen. ein bratlgeiger kann das nicht.

mein vater, der ein reinlicher, beinahe pedantischer, sehr gepflegter mann war, hat uns kinder im vollkommenen ernst ermahnt, nicht öfter als jeden zweiten tag zu duschen. häufigeres duschen zerstöre den natürlichen säuremantel der haut. schon seine mutter, eine geborene niemec, ist in wien zur welt gekommen, wenn Sie wissen, was ich meine. was ein rechter attensamer ist, der schrubbt das haus, bis es strahlt und glänzt, sodaß der vorbeigehende flaneur geblendet stehen bleibt. in den ecken und ritzen, dort, wo’s keiner sehen kann, laßt er aber ein bißerl einen dreck, weil er ja schließlich auch ein mensch ist und ein wiener obendrein. und damit die butzerln keine allergiker nicht werden.
Sven Hartberger

Friedrich Cerha und das attensam quartett

Friedrich Cerha (© Barbara Brandstätter)

Zu Gast bei Friedrich Cerha

Wir waren hingerissen!

Von der Schöheit eines „Valse sentimentale“ (Cerha) und von der Feinheit und Schubert'schen Intimität der heute nur noch wenigen Menschen bekannten Wiener Volksmusik des 19. Jahrhunderts (Stelzmüller, Schrammel, Strohmayer,...), von der treffsicheren Charakterisierung der Wiener Typen in Cerhas Kein-Vertonungen und davon, wie gut sich diese verschiedenen Musikstücke aus unterschiedlichen Zeiten und Genres gegenseitig tun. Konfrontationen schärfen die Wahrnehmung.

Die Beschäftigung mit Cerhas Keintaten förderte die Überzeugung, dass eine zeitgerechte und ernsthafte Modernisierung des Wienerlieds nur genau so aussehen kann, zumutbar ist und keiner sentimentalen Verklärung bedarf.

Es sollte noch 15 Jahre dauern, bis der Wunsch, diese Musik im Schrammelquartett spielen zu dürfen, in Erfüllung ging und Friedrich Cerha 2017 begann, einige Ausschnitte aus seinen Keintaten I und II für unser Quartett umzuarbeiten. Entstanden sind dann insgesamt 27 Stücke in zwei Arbeitsphasen. Uraufgeführt wurde der Großteil davon in den Konzerten „Zu Gast bei Friedrich Cerha“ (2018 gemeinsam mit dem Bariton Wolfgang Resch) und „Zu Gast bei Friedrich Cerha II“ (2019 gemeinsam mit Oskar Aichinger als Chansonnier) im Rahmen des Wienerliedfestivals „weanhean“ im Bockkeller in Wien Ottakring.

Das Lied „I gee reglmesig ins konzeat“ hat Cerha neu dazukomponiert. Möglicherweise als kleinen versteckten Hinweis an uns, dass es nun genug sei.

Ingrid Eder

Johannes Bamberger und das attensam quartett

Johannes Bamberger (© Viktor Brazdil)

Robert Schumann / Heinrich Heine: Dichterliebe  

Was wäre, wenn der Heinrich Heine nicht in Düsseldorf sondern - sagen wir mal - in der Leopoldstadt das Licht der Welt erblickt hätte, dann hätt' er doch sicher in seinem „Buch der Lieder“ nicht geschrieben: „Im Rhein, im Heiligen Strome....“, da hätt' er doch sicher die Donau besungen, schon lange vor dem Schani Strauß.

Und sagen wir mal weiter, der Robert Schumann, der wär ein Hernalser gewesen, nicht aus Zwickau, nicht verliebt in die Clara Wieck, nein, sagen wir mal, der hätt' sich unsterblich in eine Mizzi Starecek verschaut, dann wäre die Dichterliebe nicht einer der allerschönsten jemals geschriebenen Liederzyklen der deutschen Musikgeschichte geworden, sondern ganz sicher ein Wienerliederzyklus, der bei uns hier in jedem Heurigen gesungen würde.

Und hätten der Heine und der Schumann ihren Liebeskummer irgendwo im Liebhartstal in ein paar Achterln Heurigen ertränkt, während ihnen langsam der süße Klang von zwei Geigen, einer Harmonika und einer Kontra ins Hirn hineingeronnen ist, dann...

... hätt' der Herr Schumann ganz sicher die Dichterliebe fürs Schrammelquartett komponiert und wir hätten es nicht erst umarrangieren müssen.

Ingrid Eder

Raffeiner, Oliver Maar und das attensam quartett

Walter Raffeiner & Oliver Maar (© Thomas Wollner)

OHREN AUF! Ensemblegeister 

Gute Stimmung verbreiten sie wahrlich nicht die „Neuen Wiener Lieder", die das „Attensam Quartett" unter dem Titel „a.qua.plus" (Extraplatte) gerade veröffentlicht hat. In tonlosem Pizzicato lässt Oskar Aichinger die „Greißleruhr" aus H.C. Artmanns Gedicht „winta" ticken und beschwört eine Tristesse herauf, die zu ertragen schon einiges an seelischer Ausgeglichenheit erfordert. Christian Muthspiel sieht mit Günter Brödl resigniert dem „anfang vom end" entgegen. Die (klassischen) „Ottakringer Tänze" von Karl Mikulas sprechen in ihrer tränenseligen Bewegungslosigkeit dem Titel Hohn, während Christoph Cechs Vertonung von Gerhard Rühms „botswaach" genau so klingt, wie sie heißt. Die Zukunft des raunzig-z’wideren Wienerlieds ist also sichergestellt.
Annette Bik und Sophie Schafleitner (Violinen), Ingrid Eder (Knöpferlharmonika) und Michael Öttl (Kontragitarre) sowie Sänger Walter Raffeiner widmen sich der klingenden Depression mit aller gebotenen seelische Hingabe, mit großem musikalischen Gespür für die gewisse Brüchigkeit und in einem gut eingespielten Ensemblegeist. Das zu hören macht dann trotz aller Schwärze doch auch wieder – Spaß."
Carsten Fastner

Franz Schuh

Franz Schuh (© Lena Appl)

Die Trafik nebenan

planen sie nun mit dem Schriftsteller und Essayisten Franz Schuh, mit dem sie beim Wienerlied-Festival wean hean auftreten. Schuh übertrug einen Text des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa ins Wienerische. Aus "Tabacaria" wurde "Die Trafik". Es geht um einen Mann, der in seinem Sessel am Fenster sitzt, nachdenkt und die Menschen beobachtet: "I bin nix. Aus mir wird a nix. Nie werd i irgendwas sein. I kann ned amoi was sein woin. Aber sunst, sunst, trag ich in mir alle Träume der Welt", lauten die ersten Zeilen. Ingrid Eder gerät ins Schwärmen: "Dieses Dazwischen ist etwas sehr Wienerisches. Da geht es nicht nur um jemanden, der in seiner Wohnung herumhängt, sondern auch um jemanden, der das Universum im Kopf hat, ein Genie das sich nicht bewegt. Es ist immer das eine, aber das andere auch." Auch das attensam quartett schwebt in einem Zwischenraum. Seine Mitglieder kümmern sich nicht gern um CD-Produktionen oder Werbung, aber wenn sie spielen, erfinden sie die Wiener Musik neu. Wobei ein aktuelles Album nicht schaden würde.
Stefanie Panzenböck

Walter Raffeiner

Walter Raffeiner (© Peter Kubelka)

Wie haben  

die denn damals getanzt? Lastend und tief traurig beginnen die Ottakringer Tänze. Sind sie auf dem Tanzboden gestanden damals, die 18jährigen Menschen und haben still und traurig froh einander in die Augen geschaut und erst nachdem die 1. Tränen rollten sich langsam und verschämt in Bewegung versetzt? Jetzt sind sie schon lange tot, und mir könnte es heute ohne weiteres auch passieren; das mit dem Totsein und das mit den tief frohen Tränen. Cool wäre das allerdings nicht; ich möchte von dschali an dschigg, und mia san mia. Schdaumbbfds mi in di schdrossn ein; agazebam und kastanien bleiben agazebam und kastanien, und wer das libhazzdoe nicht verstanden hat, soll mir besser weniger erzählen als viel…Fangen wir einfach an zu arbeiten.
Walter Raffeiner

Oskar Aichinger

Oskar Aichinger (© Herbert Zotti)

CDs

CD neue wiener lieder

neue wiener lieder

agazebam und kastanien
dschali

CD a.qua.live

live im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses

eljen a stephanie
h moll tänze
im wiener dialekt

Musik

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